Roger Waters
Soloalben: radio KAOS / pros and cons of hitchhiking / amused to death

George Roger Waters wurde am 6. September 1943 in Great Bookham/ Cambridge als drittes Kind von Mary und Eric Fletcher Waters geboren. Sein Vater ist 1944 als 30jähriger, zusammen mit vierzigtausend anderen britischen Soldaten beim Versuch der Erstürmung des Nazi-Brückenkopfes bei Anzio in Italien gefallen. Seine schottische Mutter, eine Schuldirektorin, versuchte zwar den Verlust des Vaters zu kompensieren - aber jeder, der "the wall" kennt, weiß, dass das wohl nur teilweise geglückt ist.

Als junger Teenager blieb Roger nächtelang wach, um mit seinem Radio American Forces Network oder Radio Luxemburg zu hören. "Das Radio war das erste Objekt, zu dem ich - von meiner Familie und der Schule abgesehen - eine Art Beziehung entwickelte. Es war immer da, wenn man es brauchte, und wenn es einem zuviel wurde, schaltete man es einfach ab, in dieser Hinsicht war es ein pflegeleichtes Medium. Es bedrängte einen nicht, trieb einen nicht in die Ecke, und trotzdem brachte es einem die Ansichten anderer Leute nahe, mehr sogar als das Fernsehen. Das Radio hat kein Bild, so kann man sich auf das Radio viel besser konzentrieren."
Roger spielte in dieser Zeit gerne mit Spielzeugwaffen (und schoss sogar mit echten Pistolen) obwohl er bereits mit 16 Jahren Mitglied der "Campaign for Nuclear Disamarment" wurde und alljährlich bei Ostermärschen gegen das atomare Wettrüsten protestierte. Seine teilweise recht massive Anti-Kriegshaltung wird sich späteren in vielen seiner Texte wiederfinden - wie auch alle andere Themen, die seine Kindheit und Jugend maßgeblich beeinflusst hatten.

Jude 1971Seine damaligen Freunde aus Cambridge beschreiben Roger Waters als wortgewandt und sehr selbstbewusst (teilweise bis hin zum Angeberei) und nach eigenen Angaben verlebte er "eine fantastische Zeit". "Einige von meinen Lehrern waren sehr nette Kerle", sagte er später und "meine Mutter hat mir eine vernünftige Einstellung zur Welt und dem Leben vermittelt - zumindest so vernünftig, wie es ihr möglich war." Mary Waters hat vielleicht den Versuch, das Fehlen des Vaters wett zu machen, etwas übertrieben - im Grunde wollte sie aber sicher nur das Beste für ihren jüngsten Sohn. Rogers Mutter schwört auf feste Werte im Leben, so ist sie z.B. politisch ziemlich links eingestellt, und auch Roger wird an seinen Ansichten relativ unbeeindruckbar festhalten.

An den Wochenenden machte Roger bei einer Ausbildung zum Marinekadetten mit und er war nicht gerade begeistert davon (trotzdem schaffte er es bis zum Hauptmatrosen). Ein Zwischenfall, bei dem seine Untergebenen gegen Rogers Führungsstil meuterten endete in einer Schlägerei und Roger beendete dieses Kapitel und wurde stattdessen Vorsitzender der örtlichen Jugendgruppe der Anti-Atomwaffen-Bewegung.

Roger begann in Blues-Bands zu spielen und die ersten Platten, die er sich kaufte, waren Alben von Legenden wie Leadbelly, Billie Holiday and Bessie Smith. Später ging er zu zeitgenössischem Blues und Jazz über - alles, nur keinen Rock´n´Roll. Wie viele andere junge Musiker auch, arbeitete er oft bei anderen Gruppen und lernte so die Bühnenarbeit kennen.

Nach dem Besuch der "cambridge high school for boys" (wo Roger unter anderem Syd Barrett und David Gilmour kennen lernte und wo in seinem Abschlusszeugnis stand, dass "Roger Waters nie sein beträchtliches Potential genutzt hat") begann er 1962 ein Architekturstudium an der "regent street polytechnic" wo er Richard Wright sowie dessen Mitbewohner Nick Mason traf. Wright, Waters und Mason gründeten eine erste Band mit Namen "sigma 6" und finanzierten sich mit dem Geld, das sie als Studienunterstützung bekamen. Zu den Schulkameraden jener Zeit gehörte auch Storm Thorgersen, der später als Kopf von Hipgnosis die Cover der Pink-Floyd - LPs entwerfen würde.Priscilla Phillips1996

Nach dem Ausscheiden von Syd Barrett übernahm Roger Waters die Rolle des Texters und bedingt durch die Erfolge, die er vor allem mit den Texten von "the dark side of the moon" und "animals" hatte, sah er sich mehr und mehr als alleiniger Kopf der Band. Sein autobiographisches Werk "the wall" (und später noch "the final cut") war nicht nur der Gipfel was sein Können als Texter und Komponist anbelangt - es war auch der maßgebliche Grund, der zur Trennung der Band führte. In "the wall" verarbeitete Waters seine Kindheitserinnerungen, seine dadurch entstandenen Psychosen und seine militante Anti-Kriegseinstellung. Die Hauptsteine seiner Mauer sind zweifelsfrei der frühe Tod seines Vaters, die übertriebene Fürsorge seiner Mutter und die Erfahrungen aus seiner Schulzeit, in denen sadistische Lehrer durch Gleichschaltung der Kinder auch ihre Kreativität und Eigenständigkeit unterdrückten aber es ist auch eine Wiederspiegelung des Tourlebens und der Probleme, die durch Drogenkonsum, durch "too much shows and too much applause" entstehen.Waters Sohn Harry

Roger Waters ist auch nach seiner PF-Zeit weiterhin aktiv ("radio K.A.O.S" oder "amused to death") und die großen Vorzüge seiner Werke liegen weiterhin an den Texten - ob er allerdings mit seinen "bleeding hearts" auch die musikalische Ebene eines David Gilmour erreichen kann ist   zumindest diskussionswürdig.

Waters war von 1969 bis 1975 mit Judy Trim verheiratet,  1976 - 1992 mit Caroline Christie und lebt seit dem 28.Juli 1993 mit Pricilla Phillips zusammen.